Warning: Undefined variable $ub in /customers/8/0/3/lookingsharp.org/httpd.www/wp-content/themes/pptitan/lib/custom.lib.php on line 1008
Zur Visagistik kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe mich früher immer gefragt, wofür ne Visagistin oder sogar ein Make-Up Artist eigentlich gut ist. Im Gegenteil. Ich mochte Makeup überhaupt nicht.
Für mich war eine Visagistin die Person, die anderen Blümchen auf die Backe malt oder Kinder schminkt. Ein Make-Up Artist einer, der das noch besser kann und Horror-Gesichter zaubert. Diese Meinung vertrete ich heute teilweise auch noch! Warum? Weil ich inzwischen schon sehr viele Visagisten und Make-Up Artists kennengelernt habe und die Meisten weder den Namen, noch die Berufbezeichnung verdient haben. Selbsternannte Billig-Produkt- Verkäufer, die auf 2 x 2 Stunden- Schulungen gelernt haben, wie sie ihren Ramsch an den Mann (Frau) bringen sind für mich weder eine Hilfe noch eine Bereicherung.
Irgendwann erkannte ich den Sinn und Zweck der Visagistik. Im Internet sah ich so tolle und ansprechende Make -Ups. Meine Modelle hingegen (welche sich selber schminkten) sahen irgendwie nie so toll aus – Was letztendlich auch an meinen fotografischen und bildbearbeiterischen Fähigkeiten lag -. Nichtsdestotrotz wollte ich nun unbedingt eine Visagistin zu meinen Shootings haben.
Das war zu der Zeit noch ein echtes Problem: Es gab kaum welche. In der Model- Kartei damals kamen 3-4 Visagisten in Frage. Von diesen konnte ich mindestens die Hälfte von vorn herein aussondern, weil mir das was ich da sah, gar nicht gefiel. Also schrieb ich die „restlichen“ an. Die erste gab keine Antwort, die zweite hatte Zeit. Juhu!! Aber leider nur an Terminen, an denen mein Model nicht konnte oder es bei mir selber nicht ging. 50,- € plus Bilder für die Visa? Wow… Aber ok. Wenn sie so gut ist… Naja, wenn es dann tatsächlich zu einem Termin gekommen ist, war ich eigentlich mehr enttäuscht als glücklich über deren Arbeit. Das Gesicht fleckig, sonderbare Farben auf Augen und Lippen, oder die Augen so komisch schwarz, dass das Mädel irgendwie nach Panda-Bär aussah. Die Visa verkaufte es aber als Smokey- Eyes…
Gut, dachte ich. Die Visa scheint nicht zu funktionieren. Also griff ich tief in die Trickkiste (und in den Geldbeutel) und engagierte eine Make-Up Artistin aus der Schweiz. Diese fuhr auf mit allen möglichen und unmöglichen Sachen und der Schminkbereich bei mir zu Hause glich einem Schlachtfeld. Aus dem Schminken wurde ein 3- Stunden- Marathon einschließlich Verkaufsgespräch für eine 08/15 Billig- Marke, die ich jetzt besser nicht nenne. Das Modell sah danach so bescheiden aus, dass ich die Bilder nicht mal bearbeitet habe.
Todunglücklich über den Verlust des (eigentlich hübschen) Modells und der 100,- € plus Fahrtkosten für die „Verkäuferin“ fuhr ich nach Hause zu meinen Eltern und klagte dort mein Leid. Meine zufällg anwesende Oma sah sich das Massaker in des Models Gesicht an und meinte: „Na, das hättest Du auch können!“. Von da an ließ der Gedanke mich nicht mehr los… …ich wollte das selber lernen.
Ok… …öh… und nun??? Jaa! Da gabs so nen Laden an der Ecke, der immer tolle Schminke und so Zeugs verkauft. Also da mal hin und mal umgucken… Wow… Da gab es Sachen, von denen hatte ich noch nie gehört: Primer, Camouflage, Cake etc… und die vielen verschiedenen Pinsel lange, kurze, breite, spitze, runde, riesige, fächerförmige und vor allem sauteure! Ich war restlos überfordert. Also fragte ich die Verkäuferin, ob sie mir ein Buch empfehlen könnte, in dem die Grundlagen etwas genauer erläutert sind. Sie empfahl mir das Buch von Kevyn Aucoin „All About Makeup“, welches ich mir sofort bestellen musste. Nach ewiger Suche nach dem Buch las ich immer nur „vergriffen“ oder „ausverkauft“. Meine Recherche ergab, dass zwar eine Neuauflage des Buches in Planung sei, aber noch nicht produziert wird. Bei Ebay ersteigerte ich dann ein Exemplar für ein Vermögen. Endlich hatte ich das Buch! Was für eine Freude! Toll, wie darin alles erklärt war und die Geschichte des Kevyn Aucoin (übrigens gab es 3 Monate später dann die Neuauflage des Buches für einen Bruchteil des Geldes was ich gezahlt hatte).
Endlich verstand ich die speziellen Begriffe und war bereit, selber Hand anzulegen an meinen Modellen. Erst mal fett Einkaufen… Mann war das Zeugs teuer! Über Ebay konnte ich dann ne Menge Geld sparen. Also gab es das Pinselset für 19,99 € und die Lidschatten- Farbpalette mit 100 Farben für 6,99 €. Auch ne Grundierung musste her. Also griff ich auf Produkte von Billig- Anbietern zurück. Trotzdem war ich gleich mal ein paar hundert Euros los. Egal. Nun konnte es losgehen…
Zum Glück fand ich auch gleich ein Modell, das mutig genug war, sich von mir anmalen zu lassen. Ich war sooo stolz auf das Ergebnis. Es war nicht im Geringsten besser als das was ich bei allen anderen Visas immer bemängelt hatte. Im Gegenteil! Es war katastrophal! Aber es war ein Anfang. Stundenlang übte ich den Umgang mit Pinseln und Schwämmchen, las zig Webseiten (überwiegend aus den USA) und verschlang die paar wenigen Youtube- Tutorials, die es damals gab.
Über eine befreundete Visagistin wurde ich auf eine Webseite aufmerksam gemacht. Auf dieser Seite standen Produktrezensionen eines Makeup- Artists namens Kevin James Bennett. Diese waren sehr aussagekräftig und beeinflussten meine zukünftigen Käufe bis zum heutigen Tag. Zudem lege ich heute besonderen Wert auf den Einkauf tierversuchsfreier und synthetischer Produkte. Inzwischen habe ich die Billig- Produkte beiseite gelegt und mir hochwertige Produkte und Werkzeuge zugelegt.
Nach kürzester Zeit merkte ich, dass ich alleine mit Üben nicht weiter kam. Ich brauchte professionelle Hilfe. Also streckte ich meine Fühler nach einem Profi aus, wie ich es in der Fotografie auch schon immer gemacht habe. Hierzulande wurde ich an Makeup-Schulen verwiesen, die meistens nur semesterweise Leute aufnehmen konnten. Etliche boten mir „Schminkabende“ an, bei denen ich das blanke Entsetzen im eigenen, sowie im Gesicht der potenziellen Käuferinnen sah. Grausiges Makeup, aufgetragen einer Ahnungslosen mit Produkten, die ich nicht mal meinem ärgsten Feind ins Gesicht schmieren würde.
Mein Kumpel überm Teich -er kennt Alle und Jeden- machte mir beim nächsten Besuch eine Audienz bei einem Makeup- Papst in Houston/ Texas klar und ich durfte bei Reggie Wells an seinem Kurs teilnehmen. 10 verrückte Mädels und ich. So habe ich eine Unmenge mitgenommen und gelernt. Go’s und No-Go’s, Do’s and Dont’s, Must-Have’s und Forget’s. Danach zu Hause eifrig weitergeübt und ab und an mal nen speziellen Workshop besucht. Letzendlich war ich dann 3x 6 Monate zum Lernen in den Studios bei KIAH-TV, wo ich vor allem Zeitmanagement gelernt habe. Airbrush Makeup lernte ich bei Bill McCoy, der u.A. bei den Terenzi Horror Nights und auch beim Film „Zombieland“ das Makeup machte.
Heutzutage sprudelt das Netz über mit Schminktechniken und Tutorials, was Makeup angeht. Hier besuche ich fast täglich die Seiten von Makeup Forever, Jordan Liberty und Gossmakeupartist, um mir neue Eindrücke und Ideen zu holen.
Ich bin aber nicht der Fan von „Blümchen auf die Backe“ malen oder sowas ähnliches. Ich bevorzuge eine klassisches Beauty- Makeup und versuche die Fehler beim Schminken bereits auszugleichen, welche ich in Photoshop ebenfalls bearbeiten würde. So spare ich mir locker 80 % der Retusche und meine Modelle fühlen sich von Anfang an viel wohler vor der Kamera, weil sie einfach phantastisch aussehen.
Hygiene beim Schminken ist auch ein sehr wichtiger Punkt. Ich verwende -soweit es möglich ist- Wegwerfprodukte wie Einmal- Wimpernbürstchen und Lippen- Applikatoren. Meine Pinsel werden nur einmal pro Person benutzt und danach mit Pinselseife gereinigt und mit einem alkoholischen Pinselreiniger desinfiziert. Ebenso werden meine Produkte, in die meine Pinsel eingetaucht wurden im Anschluss an das Shooting mit Sprühdesinfektion desinfiziert.